Kleines Halbe, große Geschichte

Macher*in: Videogruppe des TBZ Bestensee, Daniel Abma, Berlin
Alter: 18 - 28 Jahre
Kategorie: „Generationenübergreifend“
Länge: 31:00 Minuten, DVD
Genre: Dokumentarfilm

Im Wettbewerb 2007:
1. Preis (1000 Euro), ex aequo

Inhalt:
Halbe in Brandenburg ist immer wieder Schauplatz von neonazistischen Aufmärschen. Alte und neue Nazis wollen der „Helden des Krieges“ gedenken, die auf dem Waldfriedhof begraben sind. Sie verdrängen die Tatsache, dass es bei einer der letzten und blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs keine Helden, sondern nur unermessliches Leid und Tausende von Toten gab. Der Film fängt mit einer geschichtlichen Einführung an, in der die Jugendlichen versucht haben, die Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 anhand von Animationstechniken und Zeichnungen anschaulich zu erklären. Im Hauptteil des Films gehen die Jugendlichen nach einer Erklärung, wie der „Kessel um Halbe“ im April 1945 zustande kam, mit einem regionalen Chronisten auf Spurensuche ins Dorf und schauen, wo man noch Spuren vom Krieg erkennen kann. Drei Zeitzeugen erzählen ihre sehr eindrucksvollen und emotionalen Geschichten; danach führt die Pfarrerin des Ortes die Jugendlichen über den Waldfriedhof. Ein Interview mit dem Bürgermeister leitet eine kritische Reflexion über das so genannte Heldengedenken von alten und neuen Nazis am Waldfriedhof in Halbe ein. Der Abschluss des Films zeigt die Jugendlichen auf der Halber Demonstration gegen das „Heldengedenken“, wo sie auch die befragten Zeitzeugen wieder treffen und den marschierenden Neo-Nazis sehr nah kommen. Als Zusatzmaterial finden sich auf der DVD ein „Making-of“, erstellt durch die AutorInnen des Films, und eine Fotoreportage, die einen Blick hinter die Kulissen des Projekts ermöglicht.

Jurybegründung:
Ende April 1945 starben bei der so genannten Kesselschlacht in der Nähe der brandenburgischen Stadt Halbe Tausende von Zivilisten und Soldaten. Der Waldfriedhof, der ihnen zur letzten Ruhestätte wurde, ist heute alljährlicher Schauplatz von Neonaziaufmärschen zum „Heldengedenken“. 13 Jugendliche aus dem Technologie- und Berufsbildungszentrum Bestensee in Brandenburg sind über das Filmemachen vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben zum Nachdenken über dieses Thema gekommen. In ihrer selbstreflexiv gestalteten Dokumentation „Kleines Halbe, große Geschichte“ wagen sie sich an ein ihnen bis dato unbekanntes historisches Thema aus ihrer näheren Umgebung. Sie nehmen über die Begegnung mit Zeitzeugen gesellschaftliche und politische Zusammenhänge wahr und reflektieren dadurch die Gegenwart. Ein Stück lebendige Geschichte, nicht nur zum Zweck der Erinnerung, sondern als ein spannender Prozess der eigenen Bewusstwerdung. „Kleines Halbe – große Geschichte“ ist der gelungene Versuch, aktuelle Ereignisse vor dem Hintergrund historischer Fakten kritisch zu hinterfragen.

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